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Alles über die Rebsorte: Gamay

Cépage Sorcier : Le Gamay c'est quoi ?

Woher stammt er ?

Der Gamay – oder vollständig Gamay Noir à Jus Blanc – ist eine sehr alte Rebsorte. Sie entstand aus einer natürlichen Kreuzung der beiden noch älteren Sorten, des wohlbekannten Pinot Noir und Gouais Blanc. Letzterer war im Mittelalter weit verbreitet, ist heute jedoch fast verschwunden und nur noch im Oberwallis unter dem Namen Gwäss zu finden.

Der Gamay hatte einen schwierigen Start: Im 14. Jahrhundert zog er den Zorn des Herzogs von Burgund auf sich. Philippe der Kühne, wie er bezeichnenderweise genannt wurde, mochte diese sehr ertragreiche Rebsorte nicht, obwohl hohe Erträge damals eigentlich hoch geschätzt waren, während seine eigenen Weinberge  jedoch mit dem anspruchsvollen Pinot Noir bestockt waren. Zudem war Wein ein Machtinstrument, das Philippe unbedingt unter seiner Kontrolle behalten wollte.

Daraufhin traf der Herzog eine Entscheidung, die das Gesicht der Region für immer verändern sollte. Im Jahr 1395 erliess er ein Dekret, « dass die sehr treulose und sehr schlechte Rebe, die aus Gamay hervorgegangen ist und grosse Mengen an Wein hervorbringt, ausgerissen werden müsse». Der Gamay wurde daraufhin weiter nach Süden verdrängt: zwischen Mâcon im Burgund, wo er noch heute in geringen Mengen vorkommt, und dem Beaujolais bis nach Lyon.

Dieses Dekret, dessen politische Gründe nicht bekannt sind, belastet den Ruf des Gamay bis heute. Doch nicht allein Philippe der Kühne trägt die Verantwortung: Auch der Beaujolais Nouveau, ein Primeur-Wein, der jeweils am dritten Donnerstag im November auf den Markt kommt, hat dem Ansehen des Gamay nicht gerade geholfen.

Dieser besondere Stil, der in den 1960er Jahren entstand, wurde bald Opfer seines weltweiten Erfolgs: Hastig produziert, ohne auf Qualität zu achten. Heute beweist jedoch der qualitätsorientierte Ansatz, dass der Beaujolais Nouveau durchaus seinen Platz hat und vor allem, dass der Gamay keineswegs eine schlechte Rebsorte ist, die unbedingt ausgerissen werden muss.

Wo findet man ihn?

Wie bereits erwähnt, ist der Gamay die Rebsorte des Beaujolais, zwischen Mâcon und Lyon. Man findet ihn aber auch an der Loire und sogar in Savoyen. Er ist also hauptsächlich in Frankreich verbreitet, doch das andere Land, das daraus eine echte Spezialität gemacht hat, ist die Schweiz. Kikeriki! Ähm… oder besser : Muh!

Er ist die drittwichtigste rote Rebsorte der Schweiz, mit über 1’000 Hektar Anbaufläche im Jahr 2024, fast vollständig verteilt auf das Wallis, den Kanton Waadt und Genf, in dieser Reihenfolge. Ausserdem ist er eine wesentliche Komponente des Dôle.

Im Kanton Waadt findet man ihn unter einem ganz besonderen Namen: Plant Robert, manchmal auch, wie vor langer Zeit, Plant Robez oder Robaz genannt. Dieser Begriff könnte vom Wort „dérober“ (stehlen) stammen. Wir wollen niemanden verraten, die Geschichte ist ohnehin längst verjährt, aber irgendjemand muss wohl einst heimlich Gamay-Reben aus dem Beaujolais mitgebracht haben…

Zwar erst im 19. Jahrhundert urkundlich erwähnt, abervermutlich schon viel älter, hat diese Gamay-Sorte hierzulande ihren eigenen Namen und ihre eigene Persönlichkeit entwickelt. Sie istzum Symbol von Lavaux geworden, geschützt
durch eine Charta und an ein genaues Pflichtenheft gebunden.

Wie verhält er sich im Weinberg ?

Der Gamay treibt früh aus und ist anfällig für Krankheiten. Zum Glück reift er ebenfalls früh, noch bevor sich das Herbstwetter verschlechtert. Von Natur aus sehr ertragreich, muss man ihn jedoch zügeln, damit er schöne, reiche und intensive Trauben hervorbringt.

Steinige, karge Böden, besonders Granit, wie in den zehn berühmten Crus des Beaujolais oder in der Region Martigny-Fully, liegen ihm besonders gut. Trotz der Klimaerwärmung gelingt es dieser Rebsorte, ihre Frische voll zu bewahren - ein entscheidender Vorteil für die Herstellung bekömmlicher, leicht zugänglicher Weine. Ein Trumpf, der den Gamay berühmt gemacht hat!

Welche Weine ergibt er?

Der Gamay ergibt fruchtige Rotweine mit grosser Frische und weichen Tanninen. Er offenbart Aromen roter Beeren, von Kirsche über Himbeere bis Erdbeere, oft begleitet von einem Hauch Pfeffer oder Veilchen.

Er präsentiert sich in einem leichten, knackigen und sehr zugänglichen Stil, sowohl als Rot- als auch als Roséwein.

In Assemblagen, insbesondere mit Pinot Noir, entstehen der Dôle sowie viele weitere charaktervolle Rotweine der Spitzenklasse, wie die Cuvée Unique Gamay, Gamaret, Divico oder der unverzichtbare Cure d’Attalens Rouge.

Er glänzt in den zehn Crus des Beaujolais mit ihren klangvollen Namen, wie diesem Moulin-à-Vent » Vieilles Vignes » vom Domaine de Gry-Sablon oder dem Saint-Amour desselben Weinguts.

Der Gamay ist vielseitig und kann in allen Stilrichtungen überzeugen, ob naturbelassen oder mit einer schönen Reifung in neuen Holzfässern,
wie beim Licorne Gamay Barrique.

Der Plant Robert ist ein Wahrzeichen von Lavaux. Seltene Beispiele gibt es jedoch auch anderswo, etwa an der Côte im Domaine de Autecour.

Übrigens: Möchten Sie eine weitere alte Gamay-Rebe mit ausgeprägtem Charakter entdecken? Dann probieren Sie den Gamay d’Arcenant vom Château de Chatagneréaz. Hier wird der Gamay von seinen „Kindern“ Gamaret und Garanoir begleitet.

Wozu passt er ?

Der Gamay, der Anti-Stress-Wein! Wenn Sie Lust auf Rotwein haben, aber nicht wissen, welche Flasche Sie öffnen sollen: Greifen Sie zum Gamay! Diese Rebsorte garantiert sofortigen Genuss. Ausserdem kann er, anders als viele andere Rotweine, auch gekühlt serviert werden, zum Beispiel an heissen Sommertagen.

Er entfaltet sein Potenzial besonders gut zu Geflügel und Charcuterie, ob kalt oder warm. Denken Sie an unsere regionalen Spezialitäten: Waadtländer Saucisson und Boutefas, Kohlwurst und Papet Vaudois. Aber auch zu Pilzgerichten oder Quiches ist er eine ausgezeichnete Wahl. Ein Gamay sorgt einfach immer für gute Laune!

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